Unsere Lese-Empfehlungen für einen perfekten Sommer

 

Liebe Leserinnen und Leser, Freundinnen und Freunde,
die schönen Tage und warmen Sommerabende verführen wieder dazu, mit einem
Buch auf den Balkon oder in den Garten zu gehen, es sich in einem Liegestuhl oder
Korbsessel gemütlich zu machen und, wie man so schön sagt, „zu schmökern“... und
hier nun ein paar Vorschläge:

 

Natasha BROWN, Zusammenkunft 

Suhrkamp Verlag. Euro 20,00.
In der Übersetzung von Jackie Thomae.


Der Roman, in Ich-Form geschrieben, berichtet von einer jungen Frau in London, die hart an sich arbeitet, um beruflich Erfolg zu haben, anerkannt zu werden – und sich doch täglich der harten Realität auszusetzen, dem Neid eines Kollegen, der ihr den Aufstieg nicht gönnt, Bemerkungen, die nicht nur für eine Frau kränkend sind, sondern besonders für sie, die eine Schwarze Frau ist.

Zuneigung und Liebe findet sie bei einem jungen Mann, der aus einer wohlhabenden Familie stammt, von der sie freundlich akzeptiert wird.

Aber fühlt sich das wirklich alles richtig an?

 

Lenz KOPPELSTÄTTER, Almas Sommer.

Kindler Verlag. Euro 20,00.


Hier ist die Hauptperson die lebenshungrige Alma Mahler, die 1910 mit ihrem Mann
Sommerferien in den Südtiroler Dolomiten verbringt. Sie langweilt sich, ihr Mann,
gesundheitlich angeschlagen, das Komponieren will sich auch nicht so recht fügen.
Ganz anders die Jahre vorher in Wien, nach denen Alma sich zurücksehnt. Was soll
sie hier in diesem Bergdorf, mit einem zwar zärtlichen Ehemann, aber der Sehnsucht
nach dem Jüngeren, nach Walter Gropius, mit dem sie eine heimliche Beziehung
pflegt.
Das hat Lenz Koppelstätter hinreißend beschrieben, die Dörfler, der ungewohnte Ton, mit dem sich das Ehepaar Mahler konfrontiert sieht und natürlich auch das Zusammentreffen der Rivalen Mahler – Gropius.
L. Koppelstätter hat bereits mehrere Kriminalromane um den Südtiroler Commissario Johann Grauner und seinen jungen neapolitanischen Kollegen Saltapepe veröffentlicht, die ich gern weiter empfehlen möchte

Veronika PETERS, Das Herz von Paris.

Oktopus im Kampa Verlag. Euro 22,00.

 

Frühling in Paris. Wer würde sich dort nicht wohlfühlen, glücklich an der Seine
bummeln, in die Läden schauen und die Buchhandlung Shakespeare and Company entdecken. Stöbern kann man dort noch genauso, wir vor fast 100 Jahren, als unsere Protagonistin Ann-Sophie von Schoeller, jung verheiratet ihrem Mann, der in Paris in der Kanzlei seines Onkels arbeitet (den Erfolg vor Augen und wenig Zeit für seine Frau) bei einem Stadtbummel, den Reiseführer in der Hand, die Buchhandlung und deren legendäre Gründerin Sylvia Beach entdeckt. Endlich findet Ann-Sophie für sich eine Aufgabe, lernt in der Buchhandlung u.a. Djuna Barnes, Adrienne Monnier u.a. Schriftstellerinnen und Künstlerinnen kennen, die ihr Leben bereichern und verändern werden.

Sarah Pines, Damenbart.

 Verlag Schöffling & Co. Euro 20,00.


In siebzehn Geschichten, die unterschiedlicherweise nicht sein können, überreicht uns Sarah Pines einen bunten Blumenstrauss, aus dem u.a. die „Wintersonne“ hervorscheint. Es geht um Hugo, den Großvater, der Orangen liebt und jedes Jahr im Winter beim Südfruchtgroßversand in Bremen mehrere Kisten Orangen bestellt und den Enkelkindern erzählt, daß die Orangen aus Afrika kämen. Afrika war sein Sehnsuchtsland und er verband die Sehnsucht mit den Früchten.

Es ist wunderschön zu lesen, wie der aus dem Keller heraufkommende Großvater eine Orange in der
Hand hält, sie dann sorgsam schält und den Kindern Schnitz für Schnitz gibt (ein wenig spürt man selbst den Duft und Saft der Frucht). Tatsächlich wird der Großvater eines Tages noch einmal nach Afrika fahren...

Esther Kinsky, Rombo.

Suhrkamp Verlag. Euro 24,00.


1976 bebte im Mai und September zweimal die Erde in Friaul. Esther Kinsky
beschreibt in ihrem Roman diese furchtbaren Naturereignisse, die sich ankündigen, die Tiere werden immer unruhiger, sie spüren das nahende Unglück. Ein Grollen und Dröhnen aus der Erde kommend versetzt nun auch die Menschen in Panik, Hunde und Katzen suchen Schutz. Tiere in den Ställen drücken sich an die Wände, die während des Bebens stehen blieben.
Esther Kinsky berichtet nicht nur von den Erdbeben, sie beobachtet, erzählt vom „Vorher“ von blühenden Pflanzen, von Strassen, die durch die Landschaft führen, von dem Leben der Menschen in den Dörfern, im Tal und oben in den Bergen, wodas Vieh weidet. Das Warten auf Hilfe nach dem Unglück. Sie läßt sieben Personen aus ihrem Leben berichten, von Ängsten während die Erde bebte, von Hoffnungen und Erwartungen, vom Wiederaufbau der Häuser.

Gerd Loschütz,

Ballade vom Tag, der nicht vorüber ist.

Roman. Verlag Schöffling & Co. Euro 22,00


Karsten Leiser, ein Reisejournalist erzählt seiner Freundin aus seiner Kindheit, von der Nacht, in der er von seiner Mutter geweckt wurde, um aus der damaligen DDR in den Westen zu fliehen. Bis zu dieser Nacht war für ihn alles normal, tagsüber Milch holen, das Fahrrad reparieren, um wie immer zu den Nachbarn zu radeln, den Duft der Kiefern zu atmen, den Bienen in den Lupinen zuzusehen, wie sie ihren Nektar sammeln, ihr Gesumme zu hören, das Laufen über die Chausseen, die von Bäumen umsäumt sind. Dann abends mit den Großeltern das letzte Abendbrot in der Küche essen, während die Mutter die letzten Koffer packte. Wurde er wegen dieser Kindheitserinnerungen Reiseschriftsteller, fing damit und dem nicht Vergessen können, der Zwang zu reisen, zu berichten an?

Raffaela Romagnolo, Das Flirren der Dinge.

Roman. Diogenes Verlag. Euro 24,00.
Aus dem Italienischen übersetzt von Maja Pflug.

 

Es sind unruhige Zeiten in Italien und es ist die Geschichte des Waisenjungen Antonio Casagrande, der trotz seiner Behinderung (auf einem Auge ist er blind) im April 1867 von dem Fotografen Alessandro Pavia ausgesucht wird, um ihn bei sich aufzunehmen und zu seinem Assistenten auszubilden. Antonio ist ein gelehriger Schüler. Genau wird beschrieben, wie Antonio für Pavia die Glasplatte mit Kollodium beträufelt, sie gekippt wird, damit sich die Flüssigkeit gleichmäßig auf der Platte verteilt, anschliessend in ein Becken mit Silbernitrat getunkt wird und nach vier Minuten bereit ist, die reglos wartenden Personen, zu fotografieren. Erst danach darf sich wieder bewegt werden. Pavia taucht derweil die Platte in ein Entwicklungsbad. Einen kurzen Augenblick später kann er dann die Platte in ein Fixierbad legen und anschließend ausdrucken. So gehen die Jahre in’s Land bis endlich Pavia Antonio erlaubt, auch zu fotografieren. Doch als der durch die Linse eines Objektives sieht, hat er visionäre Vorahnungen, die ihn erschrecken.



Unsere Leseempfehlungen im Herbst/Winter 2021

 

Marco BALZANO, Wenn ich wiederkomme

 

Aus dem Italienischen übersetzt von Peter Klöss

 

Diogenes Verlag; Euro 22,-

 

 

Sie könnten in jedem Land ihrer Arbeit nachgehen. Frauen wie Daniela, die ihre Heimat Rumänien und ihre Familie verlässt, um in Italien als Pflegerin und Betreuerin zu arbeiten. Mit dem dort verdienten Geld unterstützt sie ihre Familie. Was aber geschieht mit den Zurück­gelassenen? Wie versteht man sich wieder, wenn die Ehefrau und Mutter für eine kurze Zeit zurück in die Heimat kommt, sie wieder verlässt? Und was ist, wenn auch Daniela vor die Entscheidung gestellt wird, in Italien zu bleiben oder zurückzukehren nach Rumänien, um sich - nach einem Unfall des Sohne

 

Wolfgang SCHORLAU und Claudio CAIOLO. Der Tintenfischer

 

Kiepenheuer & Witsch Verlag, Euro 16,-

 

 

 

Commissario Morello ermittelt in Venedig, in einem Venedig, dass Corona bedingt fast menschenleer ist. Die Stadt kommt zur Ruhe, aber nicht der Commissario, der von Sizilien hierher versetzt wurde (nachzulesen im ersten Band „Der freie Hund“), da er und (hauptsächlich) seine Kollegin Anna Klotze einen nigerianischen Flüchtling retten. Dieser verzweifelte junge Mann bangt um seine Freundin, die in Sizilien zur Prostitution gezwungen wird. Um diese junge Frau zu befreien, reisen die beiden Polizisten nach Neapel, um von dort nach Sizilien zu segeln und nehmen bei Sturm auch noch schiffbrüchige Flüchtlinge auf…

 

 

Sasha FILIPENKO, Der ehemalige Sohn

 

Aus dem Russischen übersetzt von Ruth Altenhofer

 

Diogenes Verlag; Euro 22,--

 

 

 

Franzisk, ein junger Mann in Belarus lebend, musisch veranlagt, soll nach dem Wunsch seiner Großmutter Cello üben. Doch der Junge will lieber zu einem Rockkonzert mit seiner Freundin Nastja gehen und wartet auf sie vor einer Unterführung zum Stadion. Doch während eines plötzlich einsetzenden Unwetters wird er von den Menschen, die sich dorthin flüchten, niedergestoßen. In dem Durcheinander kommt es zu einer Panik, die für viele tödlich endet. Franzisk überlebt, wird in ein Krankenhaus eingeliefert und liegt dort im Koma. Nur die Großmutter glaubt, im Gegensatz zu den Ärzten,  an sein Überleben. Nach zehn Jahren wacht Franzisk auf, muss sich neu orientieren, in Belarus, das sich offensichtlich nicht verändert hat.

 

 

Hervé le TELLIER, Die Anomalie

 

Aus dem Französischen übersetzt von Jürgen und Romy Ritter

 

Rowohlt Verlag. Euro 22,-

 

Wir alle kennen das Gefühl des Unwohlseins bei einem Unwetter.
Wenn man dabei aber auch noch in einem Flugzeug sitzt - z.B. in einer Boeing 787, die von Paris nach New York unterwegs ist - und man dabei durch einen elektromagnetischen Wirbelsturm voller Turbulenzen fliegt, ist man glücklich, nach der Landung endlich von Bord gehen zu dürfen. Einige Passagiere lernen wir kennen, und das nicht einmal, sondern ein zweites Mal, denn sechs Monate später wiederholt sich dieses Ereignis. Dasselbe Flugzeug, dieselbe Crew, dieselben Fluggäste. Das ruft Geheimdienste auf den Plan. Die Maschine wird gezwungen, auf einem entfernten Militärflughafen zu landen, die Menschen werden dort festgehalten und - nach langer Suche ihrer zweiten „Ichs“ - miteinander konfrontiert. Das ist so spannend und irrwitzig zu lesen und man fragt sich: Was wird noch geschehen?

 

 

Sigrid NUNEZ, Was fehlt dir

 

Aus dem Amerikanischen übersetzt von Anette Grube

 

Aufbau Verlag; Euro 20,--

 

 

 

Erinnern Sie sich an das Buch „Der Freund“ von S.Nunez? In diesem erbt eine zurück gezogen lebende Schriftstellerin nach dem Tod eines Freundes dessen Hund, eine Dogge von beachtlicher Größe und fürchterlich schlabbernd.
 In ihrem neuen Roman ist der Hauptstrang eine Reise mit einer erkrankten Freundin, die Gespräche der beiden, die Erinnerungen, Namen von Schriftstellern, ihren Büchern, gesehenen Filmen und immer wieder die Frage nach dem Leben.

 

Auch in diesem Buch übernimmt eine, wenn auch winzige Rolle ein Tier, ein Kater, der der Ich-Erzählerin, sie ist übrigens Schriftstellerin, sein Leben „schnurrend“ erzählt. - Ich habe das Buch als Trostbuch gelesen.

 

 

Maurizio de GIOVANNI, Zwölf Rosen in Neapel

 

Aus dem Italienischen übersetzt von Susanne Van Volxem und Olaf Matthias Roth

 

Kampa Verlag. Euro 17,90

 

 

 

Der erste Fall für Mina Settembre, die als Sozialarbeiterin im Spanischen Viertel in

 

Neapel tätig ist. Mina, nicht mehr ganz jung, ist nach gescheiterter Ehe wieder zu ihrer sehr dominanten Mutter gezogen. Sie wird bei ihrer Arbeit mit Mordfällen konfrontiert, in denen die Opfer zwölf Rosen erhalten haben. Diese Rosen müssen offensichtlich jeweils an zwölf Tagen geschickt worden sein, da einige schon verblüht sind, einige frisch wirken. Was diese Morde miteinander zu tun haben, warum auch Mina betroffen sein wird, das muss man selbst lesen.

Es sei noch gesagt, dass sich der Autor für mich hier von einer ganz neuen Seite zeigt,

mit Sinn für leicht bissigen Humor. Wer sie noch nicht kennt: Die Kriminalromane von

de Giovanni um seinen Commissario Ricciardi (Neapel der 1930er Jahre) und den

Ispettore Lojacono sind ebenfalls ausgesprochen lesenswert.

 

 

Jonathan COE, Mr. Wilder & ich  

 

Aus dem Englischen übersetzt von Cathrine Hornung

 

Folio Verlag; Euro 22,--

 

 

 

Für Cineasten eine Fundgrube! Was geht einer Mutter (Calista) durch den Kopf, wenn eine ihrer Zwillingstöchter sich auf den Weg von Amerika nach Australien macht und wenn die etwas jüngere sich immer mehr von den Eltern zurückzieht? Sie erinnert sich daran, wie es war, als sie als junge Frau ihr Elternhaus in Athen verließ, um drei Wochen Ferien in Amerika zu machen. Dort lernt sie zufällig den Regisseur Billy Wilder kennen, der Calista als Dolmetscherin engagiert. Und so erlebt sie während der Wochen, in denen sie die Film-Crew bei ihrer Arbeit auf die griechischen Inseln, München und Paris begleitet, den ganzen Reiz der Arbeit, die Eifersüchteleien zwischen den Darstellern. Für Billy Wilder war der dort gedrehte Film einer seiner letzten – er konnte nicht mehr an seine großen Erfolge anknüpfen.

 

 

Nguyen Phan Qué MAI, Der Gesang der Berge

 

Aus dem Englischen übersetzt von Claudia Feldmann

 

Insel Verlag. Euro 23,-

 

 

 

Mit dem Tod der Großmutter beginnt ihre Enkelin Húóng die Geschichte der Familie Trán, so wie sie sie von ihrer Großmutter erfuhr, zu erzählen. Sie umfasst die Jahre von 1900 bis 2017. Anfangs, als es der Familie gut ging, bis die Zeit der Besatzungen durch Japaner, später Franzosen und Amerikaner begann, als das Land geteilt wurde.  Was die Familie erleben und erleiden musste und immer wieder die Kraft der Frauen, hier, die der Großmutter, die ihre Enkelin aufzog und behütete, ihren Mut und die Tapferkeit, und somit an eine gute, an eine hoffnungsvolle Zukunft zu glauben. Für mich eines der wichtigsten Bücher in dieser Zeit !

 

 

Alex GEORGE, An jenem Tag in Paris

 

Aus dem Englischen übersetzt von Sabine Thiele

 

Piper Verlag; Euro 20,--

 

Paris im Jahr 1927 – eine aufregende Zeit, in der sich Künstler, Schauspieler und

 Schriftsteller treffen. Camille Clermont, früher Haushälterin bei Marcel Proust,

 besucht mit Ihrer 10 jährigen Tochter das Grab von Marcel Proust. Seit Prousts Todgeht Camille einmal in der Woche zu seinem Grab, trauert um ihn - immer noch. Es quält sie der Gedanke, dass sie eines seiner 32 Notizbücher, welche die Unterlage zu seinem großen Werk waren, heimlich entwendet und somit vor dem von ihm gewünschten Verbrennen bewahrte, bei sich zu Hause versteckt hatte. Niemand sollte diese Notizbücher lesen, so war der Wille von Marcel Proust. Doch als Camille, wie so oft, das Buch heimlich aus dem Versteck nehmen wollte, liegt es dort nicht mehr. Ihr Mann Olivier hat es gefunden und - eifersüchtig auf den toten Proust  - für 250 Francs der Buchhändlerin Silvia Beach ( Buchhandlung Shakespeare & Company) verkauft - und diese wiederum an Ernest Hemingway. Wie ein roter Faden zieht sich die Suche nach diesem Tagebuch durch den Roman, der so unterschiedliche Leben verschiedenster Menschen beschreibt: Souren, ein armenischer Puppenspieler, der eine seiner Puppen nach dem toten Bruder Hector genannt hat; Guillaume, der von den Helfern seines Gläubigers bedroht, dringend Geld benötigt um seine Schulden bezahlen zu können; ein verliebter junger Mann, dessen Liebe nicht erwidert wird und natürlich die hinreißende Begegnung von Josephine Baker und Ernest Hemingway.

 

Die Buchhandlung „Shakespeare und Company“ gibt es nach wie vor in Paris. Siewurde 1919 von Sylvia Beach gegründet, und viele uns bekannte Schriftsteller wiez.B. Gertrude Stein, Ezra Pound, Thornton Wilder, John Dos Passos, Ernest Hemingway, Henry Miller, Thomas Wolfe, T.S. Eliot, André Gide lasen bei ihr. Außerdem verlegte und betreute sie auch das Mammutwerk von James Joyce „Ulysses“.

 

 

Kerstin CAMPBELL, Ruthchen schläft

 

Verlag Oktopus. Euro 20,-

 

 

 

Die so liebevoll geschriebene Geschichte von Frau Lemke, die ihr ganzes Leben in dem Haus mit ihrer Katze Ruthchen wohnt, das der  junge Mann namens Georg geerbt hat. Sie kommen gut miteinander aus, obwohl fast 40 Jahre Altersunterschied und drei Stockwerke zwischen den beiden sind. Ein Wermutstropfen beherrscht dieses friedliche Miteinander: Der in Amerika lebende Sohn von Frau Lemke will, dass seine Mutter zu ihm nach Amerika zieht. Einzig Ruthchen bestimmt noch die Zeit in Berlin. Ruthchen ist in einem hohen Katzenalter. Georg sieht dies mit Sorge und es kommt der Tag, sich trennen zu müssen…, nein, nicht so schnell: Man könnte Ruthchen doch zu einer Trierpräparatorin geben, um sie dann weiter auf dem Sofa schlafen zu lassen. Beweis: ein Foto. Aber Frau Lemkes Sohn ist misstrauisch, lässt nicht locker und kommt aus Amerika, um seine Mutter zu holen…

 

 

Fabio ANDINA, Tage mit Felice
Aus dem Italienischen übersetzt von Karin Diemerling

Rotpunktverlag. Euro 24,-

 

Schon vor einem Jahr erschien dieser Roman, den ich erst vor einigen Wochen entdeckte. Aber dieses Buch gefiel mir so gut, dass ich es Ihnen dennoch nicht vorenthalten möchte:

 Die Geschichte einer Freundschaft zwischen Felice, einem alten Mann, und dem Ich-Erzähler; die Geschichte von gemeinsamen Unternehmungen - frühmorgens wandern sie bei jedem Wetter den Berg hinauf, um im Bergbach zu baden, um Pilze oder Waldbeeren zu suchen, um dann aber mit Käse nach Hause zu kommen. Ein Tausch oder Teilen im Dorf ist selbstverständlich. Im Winter das Schneeschaufeln, auch die Wege der Nachbarn, das Salz auf die glatte Straße streuen, welches Hirsche genussvoll aufschlecken… Allmählich begreift der Erzähler, wie zufrieden Felice mit seinem Leben ist - eins mit der Natur, hilfsbereit und verständnisvoll - aber dabei auch ein Geheimnis hütet.

 

 

Anthony TROLLOPE. Weihnachten auf Thompson Hall

Übersetzt aus dem Englischen von Andrea Ott, mit den Illustrationen von Irmela Schautz

Insel Verlag. Euro 14,- (Erschienen in der Insel – Bücherei Nr. 1492)

 

 

 

Es muss wohl irgendwann Ende des 19. Jahrhunderts gewesen sein, als das Ehepaar Brown, auf dem Weg von Südfrankreich mit Aufenthalt in Paris, zur Weihnachtsfeier heim nach England reist. Dort, auf dem Familiensitz in Stratford-le-Bow will die einzige Schwester von Mrs. Brown der Familie den jungen Mann vorstellen, mit dem sie sich verlobt hat. Es handelt sich hier um eine sehr große Familie und man erwartet von den Browns, dass sie anwesend sind. Im Hotel in Paris angekommen, quält Herrn Brown nachts eine kleine Husten­attacke, die seine Frau doch bitte mit einem Senfwickel mindern soll – ein mit Senf gefülltes Gefäß hätte er im Ess- Saal gesehen. Was seine Frau auf dem Weg dorthin erlebt, ist so herrlich komisch, wie es wohl nur Engländer beschreiben können. Auch wie es am folgendem Tag mit der Heimreise und der Ankunft in England weitergeht …. lesen und schmunzeln Sie selbst!

 

 

 

Mathijs DEEN, Der Schiffskoch

Aus dem Niederländischen übersetzt von Andreas Ecke

 Mare Verlag; Euro 18,-

 Alle vier Wochen wird die Besatzung des Feuerschiffs TEXEL ausgewechselt. Vier Wochen Eintönigkeit sind entweder vorbei oder liegen vor den Männern, die jetzt den Törn übernehmen. Abwechslung bringt in den meist tristen Alltag der Schiffskoch, der  ein Zicklein mit an Bord bringt, das eigentlich einmal zu einem schmack­haften Gulasch verarbeitet werden soll. Doch es kommt anders. Einige der Männer schützen sein Leben, für andere bedeutet es Chaos – bis es zu einem Unfall an Bord kommt. Für das Ziegenböckchen wird es ein gutes Ende geben.

 

 

Peter RÜHMKORF. Auf Wiedersehen in Kenilworth

 Ein Katzen-Märchen in dreizehn Kapiteln. Mit Illustrationen von Line Hoven

 Schöffling Verlag; Euro 20,-

 

 Dankenswerter Weise hat der Schöffling Verlag dieses bezaubernde Märchen wieder

 aus der Versenkung geholt (gefunden?). Schon vor gut vierzig Jahren hat mich die Geschichte des jungen Kasttellans Jam McDamn und seiner Katze Minnie bezaubert. Und natürlich das Gespenst von Schloss Kenilworth, das den jungen McDamn in einen Kater verwandelt, der fortan in Italien zu leben hat und die Katze Minnie, zum Mädchen ver-wandelt, in Indien. Wie und ob - und wenn - wo sie sich wiedertreffen, das erzähle nicht ich, sondern das Märchen von Peter Rühmkorf!

 

 

Leo N.Tolstoi. Anna Karenina

 Aus dem Russischen übersetzt von Herrmann Asemissen

Coppenrath Verlag, Euro 44,-

Schon vor einem Jahr brachte der Coppenrath Verlag diese prachtvolle Schmuckausgabe heraus. Dieser Klassiker mit seiner opulenten Gestaltung ist ein wirklich besonderes Geschenk - nicht nur für diejenigen, die die Geschichte der Anna Karenina, verheiratet mit einem sehr viel älteren wohlhabenden Regierungsbeamten, dennoch in den forschen Grafen Wronski verliebt, noch nicht kennen.

 

 

Elke HEIDENREICH. Hier geht’s lang! Mit Büchern von Frauen durchs Leben

Eisele Verlag. Euro 26,-

Haben Sie schon vor Ihrem Bücherschrank oder Bücherregal gestanden und in Erinnerungen geschwelgt? Mir ist es in diesem Herbst mit diesem Buch so ergangen. Das Buch, mit Fotographien aus Elke Heidenreichs Leben, mit Abbildungen von Schutzumschlägen der Bücher, die sie gelesen hat, haben in mir Erinnerungen geweckt – ich bin schnurstracks losgegangen und konnte viele dieser Bücher in unseren Regalen finden. Kindheits- und Jugenderinnerungen (und auch spätere) wurden wieder wach, ebenso Freude und Kritik an vor Jahren Gelesenem und mit Vorfreude auf die Bücher, die noch gelesen werden wollen.

 

Ein Kinderbuch möchte ich Ihnen noch vorstellen, das uns mit seiner großen

Warmherzigkeit sehr berührt hat:

 Frédéric STEHR. Isidor bleibt wach

 Aus dem Französischen übersetzt von Tobias Scheffel

 Moritz Verlag. Euro 9,95

 

Isidor ist ein Bär, der nicht schlafen kann, obwohl doch gesagt wird, dass Bären Winterschlaf halten. Mit seiner schönen roten Mütze auf dem Kopf, verlässt er seine Höhle, nicht ohne den Schlüssel stecken zu lassen - für den Fall, dass ihn jemand besuchen möchte und so nicht vor verschlossener Tür stehen muss. So stapft er also los, wird von einem Dachs, ebenfalls schlaflos, verköstigt, bis die zwei sich ent-schließen, gemeinsam durch den Schnee zu wandern. Der Dachs nimmt noch zwei Thermoskannen heißer Suppe mit, und schon bald können sie mit etwas Suppe einem kleinen, fast erfrorenen Hasen wieder auf die Pfoten helfen. Auch zwei dünne Hunde schließen sich den Dreien an. Man übersteht gemeinsam einen Schneesturm, findet den Weg zurück zu Isidors Höhle, wo eine Überraschung auf sie wartet …

 

 

 

Vielleicht mögen Sie, liebe Bücherfreunde und Bücherfreundinnen, zu dem einem oder anderem Buch greifen. Die Feiertage nahen und laden zum Lesen ein!

Wir wünschen Ihnen eine gute, unbeschwerte Vorweihnachtszeit.

 

Ihr Bücher Waide Team